Tierschutz, Tiergesundheit und Tierverhalten
Beim Thema „Tierschutz“ denken viele sofort an die Bewegungsfreiheit und -möglichkeiten der Hennen. Doch Tierschutz in der Legehennenhaltung bedeutet mehr, denn auch die Tiergesundheit und das Tierverhalten spielen hier eine wichtige Rolle, die bei der Betrachtung nicht vernachlässigt werden sollten. Während die Boden- und Freilandhaltung sowie die Ökologische Erzeugung den Tieren die Möglichkeit bieten, sich in einem größeren Raum zu bewegen, kommt es in diesen Haltungsformen andererseits vermehrt zu Kämpfen um die Rangordnung mit teilweise schweren Verletzungen und einer erhöhten Anzahl toter Tiere. Zudem begünstigt der Kontakt der Tiere mit ihren eigenen Exkrementen die Ausbreitung von infektiösen Krankheiten und Parasiten. Folge kann ein erhöhter Medikamenteneinsatz in diesen Systemen sein und durch den unmittelbaren Kontakt mit den eigenen Ausscheidungen kann eine Wiederaufnahme von Arzneimittelresten nicht ausgeschlossen werden. In der Freilandhaltung sind die Hennen auch der Gefahr von wildlebenden Beutetieren ausgesetzt. Federverluste treten bei allen Haltungssystemen in ähnlicher Form auf. Zu Knochenbrüchen kann es in der konventionellen Käfighaltung aufgrund von Bewegungsmangel und daraus resultierender Osteoporose kommen. In der Boden-, Freiland- und Ökohaltung können zudem Knochenbrüche durch Unfälle beim Anfliegen von Nestern und Sitzstangen entstehen. Grundsätzlich gilt, dass an die Betreuung von Legehennen in der Boden-, Freilandhaltung und der ökologischen Erzeugung sehr hohe Anforderungen an die Betreuungspersonen gestellt werden. Der Zeitaufwand zur Tierbetreuung ist höher als in der neuen Kleingruppenhaltung. Zielsetzung bei der Entwicklung der neuen Kleingruppenhaltung war es, die Vorteile der Bodenhaltung und der konventionellen Käfighaltung zu bewahren bei gleichzeitiger Minimierung deren Nachteile in Sachen Tiergesundheit, Ausübung bestimmter Verhaltensweisen und Arbeitswirtschaft.
Umweltschutz und Arbeitsschutz
Wer über das Thema „Legehennenhaltung“ nachdenkt, wird sich in den wenigsten Fällen Gedanken über den Umweltschutzaspekt oder gar über den Arbeitsschutz machen. Doch auch diese sollten in eine ganzheitliche Betrachtung mit einbezogen werden. Wussten Sie z.B., dass es sowohl in der Freilandhaltung als auch der Ökologischen Erzeugung, bei der die Tiere tagsüber freien Zugang zu einem Auslauf haben, zu hohen Belastungen der Böden durch die unkontrollierbaren Ausscheidungen der Hennen kommt? Insbesondere im stallnahen Bereich sind hohe Stickstoffgehalte im Boden festzustellen, die die zulässigen Grenzwerte häufig um ein Vielfaches überschreiten können. Darüber hinaus ist die Belastung der Stallluft mit Ammoniak und Stäuben in der Kleingruppenhaltung deutlich geringer. Besonders belastet sind in dieser Beziehung die Bodenhaltungssysteme. Dies bedeutet nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Tierbetreuer ein erhöhtes gesundheitliches Risiko.
Verbraucherschutz und Ei-Qualität
Das Thema Verbraucherschutz steht in direktem Zusammenhang mit der Eiqualität. Das sind zum einen die innere Qualität von Dotter und Eiweiß und zum anderen die äußere Qualität der Eischale. In den verschiedenen Haltungsformen werden diese Kriterien unterschiedlich gut erfüllt. Was z.B. die mikrobiologische Beschaffenheit der Eischale betrifft, schneidet die Kleingruppenhaltung besser ab.
Ökonomie und Entscheidungsfreiheit für Verbraucher
Neben den Kosten für die Tiere und die Stalleinrichtungen, sind insbesondere die Futter- und die Betreuungskosten die tragenden wirtschaftlichen Faktoren in der Eiererzeugung. Aufgrund des erhöhten Betreuungsaufwands in der Freiland- und Bodenhaltung sowie der Ökologischen Erzeugung kommt es zu höheren Verkaufspreisen von Eiern aus diesen Haltungssystemen. Mit der Zulassung der neuen Kleingruppenhaltung neben der Boden- und Freilandhaltung sowie der Ökologischen Erzeugung, können Verbraucher auch zukünftig beim Einkauf zwischen Eiern aller Haltungsformen wählen.
Mehr zum Vergleich der deutschen und EU-weit geltenden Anforderungen








